Rundum Wasser - Schiffsbrandbekämpfung   Aktuellstes Einsatzfeld der Wilhelmshavener Floriansjünger ist die Hilfeleistung auf Schiffen im Hafen oder auf Wasserstraßen. Seit Oktober 1997 hat die Berufsfeuerwehr offiziell die zusätzliche Aufgabe, Menschenrettung, Brandschutz und technische Hilfe insbesondere auf Schiffen in der Jade und in der Wesermündung sicherzustellen. Mit einem umfassenden personellen und technischen Konzept, ergänzt um die Weiterentwicklung bewährter Einsatztaktik und in enger Zusammenarbeit mit zahlreichen kommunalen, Landes- oder Bundesbehörden und Organisationen wird diese Aufgabe angegangen.   Aus den Erfahrungen mit Havaristen, zeitnah aus dem Pallas - Unglück, lassen sich Vorgaben für die technische Ausstattung und die Personalstärke ableiten. Das zunehmend erforderliche technische Gerät muss zu oder mit der Mannschaft in die Nähe des Havaristen transportiert werden. Allerdings ist der Transport auf See schwierig, zeitaufwändig und das Transportgewicht setzt Grenzen. Zugleich muss das Material schnell und sicher zu verladen und ebenso zügig einsatzfähig sein - vor allem auch bei widrigen Wetterverhältnissen. Schließlich sind verschiedene Transportwege zu ermöglichen: LKW, Schiff oder Hubschrauber. An Menge ist vorgegeben Löschgerätetechnik, persönliche Schutzausrüstung, Geräte zur technischen Hilfeleistung u.v.m. Als Lösung bietet sich die Verladung in und mit Gitterboxen, wie sie auch bei der Bahn eingesetzt werden, an. Insgesamt 16 Gitterboxen, bestückt mit Grundbeladung und nach zusätzlichen Kriterien, stehen für den weiteren Transportweg auf einem Abrollbehälter zur Verfügung. Grundsätzlich ist die Übernahme des Abrollbehälters auf ein Schiff denkbar und möglich, in der Regel wird es durch den Einsatzleiter zu entscheiden sein, welche Boxen ergänzend zur Grundbeladung mitgeführt werden sollen. Durch die standardisierte Verladung ist letztlich auch ein Hubschraubertransport möglich.   Für die Aufgabe Schiffsbrandbekämpfung ist der Einsatz von neun Einsatzkräften, einem Verbindungsbeamten sowie einem Leiter des Stabes vorgesehen. Als Einsatztaktik war bislang vorgesehen, die Männer von einem Schadstoff- und Brandbekämpfungsschiff (SuBS) im Hafen aufnehmen und dann zum Havaristen transportieren zu lassen. Es ist leicht nachvollziehbar, dass ein von See kommendes SuBS, das zunächst in den Hafen einlaufen muss, bis zum aktuellen Einsatzort viel Zeit benötigt. Letztlich ist aus dem Einsatz an der "Pallas" erkennbar geworden, für einen wesentlich schnelleren Fachpersonaleinsatz - durch ausgebildete Feuerwehrleute - Sorge tragen zu müssen. Daraus folgt in der neuen Einsatzkonzeption, dass das schnellst verfügbare SuBS den Havaristen anläuft und dort mit den Vorkehrungen zum Einsatz beginnt. Dieses SuBS ist Ausgangspunkt und Arbeitsplattform für den Einsatz der Berufsfeuerwehr, aus Gründen der Sicherheit ist ein Absetzen unmittelbar auf den Havaristen nicht vorgesehen. Zeitgleich werden die Einsatzkräfte mit persönlicher Schutzausrüstung, Atemschutzgerät, Meßgerät, Wärmebildkamera und einem Spezialstrahlrohr ausgestattet, primär mit Hubschrauber Richtung SuBS in Marsch gesetzt. Ein Transport mit Wasserfahrzeugen ist zwar möglich, aber sowohl lage- als auch wetterabhängig. Für den Folgeeinsatz können weitere Einsatzkräfte und Material nachgeführt werden, in Abhängigkeit von der erforderlichen Verfügbarkeit mit den in Gitterboxen verladenen Ausrüstung per Schiff oder gegebenenfalls per Hubschrauber.   Um das Personal mit dem Einsatzkonzept und den Einsatzbedingungen vertraut zu machen, sind in die Ausbildung Unterweisungen in die besonderen Strukturen der Schiffe, technische Einrichtung, die Brandbekämpfungskapazitäten oder die organisatorischen Abläufe an Bord aufzunehmen. Dazu kommt ständiges Üben des Übersteigens auf ein Schiff, welches um ein Vielfaches größer sein kann als die Arbeitsplattform, oder das Abseilen vom Hubschrauber. Und schließlich darf als wesentliches Element eines effektiven Einsatzes die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Behörden und Organisationen nicht außer Acht bleiben. Nur eine enge Kooperation ohne Kompetenzgerangel steigert die Aussicht auf ein zügiges Umsetzen der Konzeption und gestattet - hoffentlich sehr selten erforderliche - umfassende und Menschen rettende Hilfeleistung unter erschwerten Bedingungen. Textbearbeitung: Ulrich Räcker-Wellnitz