Berufsfeuerwehr im Einsatz 1937 - 1945Unter die "Gleichschaltung" durch die Nationalsozialisten nach 1933 fiel auch die Freiwillige Feuerwehr - (vgl. Gesetz über das Feuerlöschwesen vorn 15.12.1933). Die Organisationsform der freiwilligen Feuerwehren wurde dadurch grundlegend umgestaltet. Am 12. April 1934 wurde der Stadtbauinspektor Isermann zum Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Wilhelmshaven ernannt. In der Nachbarstadt Rüstringen wurde der Oberamtmann Bohländer in gleicher Funktion eingesetzt. Feuerlöschpolizei WilhelmshavenDie Freiwillige Feuerwehr wurde in Feuerlöschpolizei umbenannt und die Dienstgrade entsprachen denen der Polizei. Das o.g. preußische "Gesetz über das Feuerlöschwesen" unterstellte die Berufsfeuerwehren, freiwilligen Feuerwehren und Pflichtfeuerwehren der Ortspolizeiverwaltung und den Polizeiaufsichtsbehörden. Dadurch entstand der Begriff "Feuerlöschpolizei", ohne dass er im Gesetz selbst erwähnt ist. Auch Feuerwehrfahrzeuge erhielten vereinzelt die Aufschrift "Feuerlöschpolizei". Ein für das gesamte Reich gültiges "Gesetz über das Feuerlöschwesen" vom 23. November 1938 legte die Zuständigkeit des Reichsministers des Innern für alle Brandschutzangelegenheiten fest. Die Berufsfeuerwehren wurden als "Feuerschutzpolizei" in die Ordnungspolizei eingegliedert, ihre Kraftfahrzeuge wurden nicht mehr feuerwehrrot, sondern polizeigrün (="dunkelgrün glänzend") lackiert und auf den Kennzeichenschildern standen Pol-Zulassungsnummern. Von Freiwilligen zu ProfisMit dem so genannten Groß-Hamburg Gesetz vom April 1937 wurden die Jadestädte Wilhelmshaven und Rüstringen zur Großstadt Wilhelmshaven zusammen gelegt.Dieser Zusammenschluss wirkte sich auch auf die Freiwillige Feuerwehr entscheidend aus. Von dieser Zeit an gab es nur noch eine Freiwillige Feuerwehr in Wilhelmshaven unter der Leitung des Stadtbauinspektors Isermann. Nach der Vereinigung zur neuen Großstadt wuchs im Laufe der Jahre die Einwohnerzahl auf ca. 130.000.Für Großstädte war nach den damaligen Vorschriften eine Berufsfeuerwehr vorgesehen. Bei eingehender Überprüfung der Einsatzbereitschaft der einzelnen Wachen der freiwilligen Feuerwehr durch den Landesbrandmeister wurden erhebliche Beanstandungen hinsichtlich Alarmierungszeiten und Einsatzbereitschaft festgestellt. Deshalb drängte auch die Regierung in Oldenburg 1938 auf Einrichtung einer Berufsfeuerwehr. Die Stadt vertraute bei Bränden bislang auf die Hilfe durch die Werftfeuerwehr. Durch Erweiterung des Aufgabengebietes der Werftfeuerwehr sah sich diese jedoch nicht mehr in der Lage, den Brandschutz in der Stadt mit zu übernehmen. 1939 kündigte die Werftleitung die Löschhilfe durch die Werftfeuerwehr auf.Der "Reichsführer SS", der für die Polizei und für die Feuerwehr nach 1933 zuständig wurde, beauftragte 1938 Oberbaurat Dipl.-Ing. Goldbart, mit der Einrichtung einer Berufsfeuerwehr in Wilhelmshaven. Dieser forderte als erstes eine ständig besetzte Feuerwache in einer Mindeststärke von einer Gruppe Diesem Druck musste sich der damalige Oberbürgermeister Müller nach längerem Zögern und vielen Einwendungen beugen und sich mit der Bildung einer Berufsfeuerwehr einverstanden erklären. Müller beharrte aber wegen der hohen Einrichtungs- und Unterhaltungskosten auf einer finanziellen Beteiligung des Reiches. Als personelle Stärke der Wehr wurden 115 Feuerwehrmänner als notwendig erachtet. Als Zuschuss für die Einrichtung wurden vom Reichsinnenministerium für 1940 80.000 RM und für 1941 20.000 RM zugesagt.Zur Aufstellung der Berufsfeuerwehr wurde Major der Feuerschutzpolizei Dipl.-Ing. Meyer zu Köcker von der Feuerwehr Hannover nach Wilhelmshaven abkommandiert.Nach Kriegsbeginn hatte sich die Situation in Wilhelmshaven grundlegend geändert. Die freiwilligen Feuerwehrmänner und Männer des Sicherheits- und Hilfsdienstes wurden für Luftschutzaufgaben eingezogen. Der aufgestellte LS - Brandschutzdienst unter Leitung des Kreisführers Isermann in der Dietrich-Eckert-Schule kaserniert. Während der ersten Kriegsjahre wurden die meisten Männer aber wieder für die Arbeit in den Betrieben am Tage freigestellt, nur bei Alarm und zu Übungen hatten sie ihren Dienst aufzunehmen.Um den friedensmäßigen Brandschutz in den neuen Stadtteilen Voslapp und Fedderwardergroden zu sichern, wurde im Januar 1940 in Voslapp eine freiwillige Feuerwehr gegründet. Ein Bauschuppen an der Tiefstraße diente als Unterstellraum für die vorhandene Handdruckspritze. Kriegsbedingt wurde die Ausrüstung dann durch eine TS 8, später durch eine KSZ 8 verbessert. Heute ist die Ortsfeuerwehr an der Albrechtstraße angesiedelt und führt den Namen OF-Nord.Die Männer der freiwilligen Feuerwehr haben in den vergangenen Jahrzehnten - und sie tun es heute noch - ohne viel Aufhebens und ohne irgendwelcher Vorteile willen, ihre selbstgewählte Pflicht vorbildlich wahrgenommen.Ihnen gebührt unser Dank!Feuerschutzpolizei Wilhelmshaven Als Dipl.-Ing. Meyer zu Köcker Ende 1939 den Auftrag erhielt, eine Berufsfeuerwehr in Wilhelmshaven einzurichten, begann er mit dem Aufbau eines Personalstamms. Es wurde bei den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr, die zu der Zeit schon für den Luftschutz eingezogen waren, geworben. Gleichzeitig wurde im gesamten Reich in Fachzeitschriften und bei den bestehenden Berufsfeuerwehren auf Einstellungs- und Aufstiegschancen hingewiesen. Da in der Zwischenzeit bekannt wurde, dass Wilhelmshaven als Frontstadt mit schweren Luftangriffen zu rechnen hatte, zeigte die Werbung nur geringen Erfolg. So fanden sich wenige Freiwillige bereit, hier ihren Dienst zu tun. Major Meyer zu Köcker konnte dennoch zur offiziellen Gründung am 1. April 1940 schon mit 29 Beamten den Einsatzdienst aufnehmen. Das Stellensoll sah für 1940 2 Offiziere, 1 Bezirksleutnant, 4 Meister, sowie 42 Feuerwehrmänner vor.Für 1944 waren im Stellensoll 1 Major, 1 Hauptmann, 1 Oberleutnant, 2 Bezirksleutnante, 1 Bezirksoberleutnant ,23 Meister, 26 Hauptwachtmeister und 26 Bezirksoberwachtmeister bzw. Rottwachtmeister vorgesehen. Die Dienstgradbezeichnungen führten den Zusatz "der Feuerschutzpolizei".Weil die Sollstärke nicht erreicht werden konnte, wurden aus den verschiedenen Standorten Beamte der Feuerschutzpolizei nach Wilhelmshaven abkommandiert. Im Einzelfall bestand der nicht zu beweisende Verdacht, dass es sich auch um Strafversetzungen handelte. Im Laufe des Krieges waren Beamte aus Breslau, Frankfurt, Görlitz, Innsbruck, Königsberg, Plauen, Danzig, Leipzig, Offenbach, Stettin, Wien, Wiesbaden und Zwickau in Wilhelmshaven im Einsatz. Es bildete sich eine gemischte Einheit aus deutschen Landsmannschaften mit sehr unterschiedlichen Mentalitäten. Ab 1940 wurden auch Hitlerjungen der HJ-Feuerwehrgefolgschaft dem Feuerlöschdienst zugeteilt, sie besetzten die Fehlstellen auf den Löschfahrzeugen. An Ausrüstung standen der jungen Berufsfeuerwehr 1940 nur die Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr zur Verfügung. Es handelte sich um zwei Löschgruppenfahrzeuge KS 16 (LF 16), zwei Drehleitern (DL 26 und DL 24) und einen Rüstwagen. Erst 1941 erfolgte die Bereitstellung von Löschfahrzeugen des Reichsluftfahrtministeriums, die so genannten LS - Fahrzeuge KS 24.Für die Unterkunft der Mannschaften wurden Räume in der neben dem Gerätehaus liegenden Dietrich-Eckert-Schule belegt. Die Räume über der Fahrzeughalle des Gerätehauses an der heutigen Mozartstraße wurden als Büros und für die Zentrale genutzt. In dem neben der Fahrzeughalle gelegenen Wohnhaus - auch grauer Esel genannt - fanden die Führungskräfte ihre Unterkunft.Das Mittagessen wurde gemeinsam in einer Gaststätte eingenommen. Als in den nachfolgenden Jahren die Küche des Gasthauses für die Versorgung ausfiel, richtete der Brandschutzdienst in den Trümmern der Dietrich-Eckert-Schule eine eigene Küche ein. (Diese Behelfsküche wurde nach dem Krieg bis zur Währungsreform noch für die Gemeinschaftsverpflegung genutzt.) Die Dietrich-Eckert-Schule wurde mehrmals von Sprengbomben getroffen.Der Tagesablauf wurde militärisch abgewickelt. Neben der Feuerwehrfachausbildung wurden im Ausbildungsdienst auch Schießübungen mit dem Karabiner und für Offiziere zusätzlich die Unterweisung an Faustfeuerwaffen durchgeführt.Da sich Beamte der Feuerschutzpolizei von denen der Schutzpolizei kaum unterschieden, kam es vor, dass manchmal Hilfeersuchen von der Bevölkerung an die Feuerwehrbeamten gestellt wurden. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, mussten die Beamten der Feuerwehr an einer Unterweisung in Strafrecht und an einer Schulung für das Verhalten bei Straftaten teilnehmen.Die Ausbildung folgte nach der für das "Reich" einheitlichen Ausbildungsvorschrift für den Feuerwehrdienst (AVF), zugleich eine Polizei Dienst Vorschrift -PDV-. Brandschutz nach LuftangriffenIn der ersten Einsatzzeit wurden kleinere und größere Feuer bekämpft. Erst die wachsende Zahl von Luftangriffen brachte eine zunehmende Dauerbelastung mit sich. In den folgenden Jahren wurde nur noch von einem Luftangriff zum nächsten gedacht. Bei den Luftangriffen am 8. Januar sowie am 15. auf 16. Januar 1941 wurden bei eisiger Kälte die noch sehr junge Feuerschutzpolizei Wilhelmshavens und die Helfer der Luftschutzpolizei den ersten großen Belastungsproben ausgesetzt.In den Ruhephasen zwischen den Angriffen wurden die Fahrzeuge und Geräte in Stand gesetzt, sowie Keller zu Bunkern ausgebaut und Fahrzeugunterstände geschaffen. Ab 1941 sind die ersten reichseigenen Löschfahrzeuge und Schlauchwagen an den Brandschutzdienst ausgeliefert worden.Wilhelmshaven wurde mehr als hundert Mal aus der Luft angegriffen. Trotz der Bereitstellung von Schutzplätzen in den Luftschutzbunkern gab es rund 500 Todesopfer. Mit zunehmender Schwere der Luftangriffe suchten auch die Besatzungen der Lösch- und Rettungsfahrzeuge während der Luftangriffe Luftschutzbunker auf. Nur so konnte der Ausfall von Helfern durch Personenschäden gering gehalten werden. Erst nach Ende der Luftangriffe oder zwischen den Angriffswellen wurde mit der Brandbekämpfung und den Rettungsmaßnahmen begonnen bzw. konnten sie fortgesetzt werden. Die durch Brand- und Sprengbomben verursachten Groß- und Trümmerbrände stellten den Brandschutzdienst vor immer schwerere und gefährlichere Lagen. Entstehungs- und Kleinfeuer wurden meistens schon durch die Löschtrupps der Selbstschutzgemeinschaften und von Ortsgruppen mit ihren Tragkraftspritzen gelöscht.Bei besonders schweren Luftangriffen mit erheblichen Zerstörungen wurden zur Schadenbekämpfung auch die umliegenden freiwilligen Feuerwehren eingesetzt. Eine besondere Hilfe stellte die ab 1940 aufgestellte "Feuerschutzpolizei -Abteilung -mot -" dar. Sie war oft die letzte Rettung, um der Lage Herr zu werden. Zur Verstärkung der Schlagkraft und als Ersatz für eingezogene Beamte sind ab 1944 dienstverpflichtete Fremdarbeiter aus der Tschechoslowakei zur Unterstützung des Feuerlöschdienstes eingesetzt worden. 1943 erhielt die Stadt nochmals vom Reichs- und Luftfahrtministerium 4 LS Löschzüge (8 SLG) und 20 TS 8.1944 wurde der Kommandeur der Feuerschutzpolizei Major Dipl.-Ing. Meyer zu Köcker nach Danzig versetzt. An seiner Stelle übernahm der aus Hamburg abkommandierte Major Spohn die Führung des Brandschutzdienstes und die Leitung der Berufsfeuerwehr. Dass in zahlreichen Einsätzen die Wilhelmshavener Feuerwehren auch in anderen Städten eingesetzt wurden, sei hier nur erwähnt.Die Tapferkeit, der Mut und die stete Einsatzbereitschaft aller Männer, die in den Kriegsjahren dem Brandschutzdienst angehört haben, können hier leider nicht ausführlich behandelt werden. Was die Männer des Wilhelmshavener Brandschutzdienstes in den Jahren des Bombenkrieges geleistet haben, wie viele Menschen, vor allem Frauen und Kinder, ihrem tapferen Einsatz ihr Leben zu verdanken haben, welche Sachwerte sie vor der Vernichtung bewahrten, weil sie ihr eigenes Leben nicht achteten, kann nicht hoch genug angerechnet werden. Ihre Verdienste und Leistungen sind Mahnung und Ansporn zugleich. Nachkriegszeit, Bewährtes und Neues